Poetry Slam von Lars Ruppel zu unserem 70. Jubiläum

By 27. Mai 2026Aktuelles
Lars Ruppel zu unserem 70. Jubiläum

Seit 1956 gibt es den Kinderschutzbund Berlin – für uns ist das dieses Jahr ein Grund zum Feiern. Lars Ruppel hat uns zu unserem Fest einen ganz besonderen Text geschrieben.

Zu unserem 70. Jubiläum veranstalteten wir unsere Jubiläumsfeier im Heimathafen Neukölln und eröffneten damit zugleich die Kinderschutztage 2026 unseres Bundesverbandes. Neben unseren langjährigen Unterstützer*innen aus der Politik und Wirtschaft Berlins, waren die Delegierten von Landes-, Orts- und Kreisverbänden aus ganz Deutschland bei uns zu Gast.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem Grußwort der Staatssekretärin und Kinderchancen-Koordinatorin, Mareike Wulf, in Vertretung für Bundesfamilienministerin Karin Prien. Anschließend gab es eine Begrüßung durch die Präsidentin unseres Bundesverbandes Sabine Andresen. In einem Podium sprach Sabine Andresen wenig später mit Katharina Günther-Wünsch, Berlins Senatorin für Bildung, Jugend und Familie und unserem Geschäftsführer Christian Neumann darüber, wie es Kindern heute geht und was soziale Träger der Kinder- und Jugendarbeit bewegt.

Gut zusammengefasst hat das auch Lars Ruppel in seinem Poetry Slam zum 70. Jubiläum des Kinderschutzbundes Berlin. Der Text ist nachstehend zu lesen und ist urheberrechtlich geschützt. Er darf ausschließlich von anderen Landes- und Orts- und Kreisverbänden des Deutschen Kinderschutzbundes unter Angabe des Autors, Lars Ruppel, sowie des Kinderschutzbundes Berlin nicht-kommerziell genutzt werden.

Poetry-Slam von Lars Ruppel zum 70. Jubiläum des Kinderschutzbundes Berlin

Wenn die Sonne aufgeht

Über den Dächern der Stadt

Wenn der Mond seine Sachen packt

Und Schichtende hat

 

Wenn neben Betten, die Wecker

Ihre Menschen anbrülln

Die Erwachsenen Kaffee

In Kaffeetassen fülln

 

Dann wird wieder ein Tag

Einer Geschichte erzählt

Deren Handlung wir kennen

Doch deren Ende noch fehlt

 

Es ist die Geschichte

Der Kinder in Berlin

Und wenn wir sie hören

Kriegt sie Leben verlieh’n

 

Die Story, die jeden Tag

Auf’s neue beginnt

Jeder Tag ist ein Kapitel

Und jedes einzelne Kind

 

Schreibt jeden Tag wieder

Einen eigenen Strang

Hunderttausend Geschichten

Gehen jeden Tag ihren Gang

 

Zwischen Story vom Ponyhof

Und Gruselgeschichte

Zwischen nüchterner Prosa

Und Jubelgedichte

 

Denn so viel von dem

Was in ihren Leben passiert

Ist schon vor der Geburt

Für sie vorformuliert

 

Von dem Geburtsort der Eltern

Und den Eltern davor

Wo die Familie eine Heimat fand

Als sie ihre verlor

 

Vom Mietvertrag und vom

Gesundheitszustand

Von der Hautfarbe

Sie haben es nur in der Hand

 

Wenn die Großen den Kleinen

Die Möglichkeit zu lassen

Dass sie ganz allein

Ihre Geschichte verfassen

 

Wenn die Sonne aufgeht

Und das Schreiben beginnt

Steht der Kinderschutzbund

Bei jedem einzelnen Kind

 

Seit 70 Jahren an ihrer Seite

Um dort so lange zu bleiben

Bis alle Kinder die Chance haben

Um in Ruhe zu schreiben

 

Jemand muss für ihre Anliegen

Die Stimme erheben

Ihre Rechte vertreten

Und für Einhaltung streben

 

Jemand muss die letzten Freiräume

Die sie haben erhalten

Zuhören, beraten

Aktivitäten gestalten

 

Horizonte erweitern

Und Bewusstsein erschaffen

Wissen zugänglich machen

Wo Lücken noch klaffen

 

Den Fokus der Erwachsenen

Auf die Kinder hinlenken

Damit sie lernen die Welt

Stets vom Kind aus zu denken

 

Denn was, was sonst

Soll unser Ziel sein im Leben

Als Kindern die Chance

Auf ein Leben zu geben

 

Das besser ist

Als das eigene war

Stellt das nicht das Grundprinzip

Verantwortung dar?

 

Woran sollen wir uns denn

Sonst messen lassen

Wie viele Shopping Malls

In ein Stadtquartier passen?

 

An Parkmöglichkeiten?

An Zustimmungszahlen?

An der Anzahl der Millionäre?
An Prognosen vor Wahlen?

 

An verfügbaren Büroflächen?

An Quadratmeterpreisen?

Die einzigen Zahlen

Die wirklich beweisen

 

Werden wir unserer Verantwortung

Als Gesellschaft gerecht

Ist die Zahl glücklicher Kinder

Und da läuft nach wie vor schlecht

 

Denn eins von vier Kindern

Wird in Armut geboren

Und in Armut aufwachsen

Hat den Anschluss verloren

 

Hat andere Kleidung

Als die anderen Kids

Was anderes in der Brotbox

Und allzu oft nix

 

Kein Urlaub, keine Nachhilfe

Kein Klavierunterricht

Und bald nicht mal mehr die Sozialarbeiterin

Die mit ihm spricht

 

Das sind zu viele Kinder mit

Ängsten daheim

Mit schlechten Erfahrungen

Mit Papa allein

 

Zu viele, zu lang schon

Zu groß das Problem

Um es nur als ein Teil

Eines Ganzen zu seh’n

 

Es ist die Grundlage der Welt

Wie sie morgen sein wird

Weil jedes Kind heute schon

Die Zukunft kreiert

 

Unsere eigenen Probleme

Lösen wir nicht mehr auf

Doch wenn wir nur an uns denken

Nehmen wir damit in Kauf

 

Dass viel zu viele Geschichten

Viel zu gruselig bleiben

Wir wollen doch alle Happy Ends

Also lasst sie uns schreiben

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